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Jesus Christus und der Sabbat

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Jesus Christus und der Sabbat

„Und er [Jesus Christus] sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat“ (Markus 2,27-28).

Wie sah Jesus Christus den Sabbat? Viele Menschen sehen nur das, was sie in bezug auf Jesu Haltung zum siebten Tag sehen wollen. Aufgrund von Mißverständnissen glauben einige, daß Jesus Christus das Sabbatgebot nicht beachtete oder sogar bewußt mißachtete.

Tatsächlich wird der Sabbat fast 50mal in den vier Evangelien genannt (öfter als in den gesamten ersten fünf Büchern der Bibel!); so gibt es also reichlich geschichtliche Belege über Jesu Haltung gegenüber dem Sabbat. Um jedoch die Berichte der Evangelien zu verstehen, müssen wir berücksichtigen, wie das Halten des Sabbats verändert wurde, nachdem er erschaffen worden war und später Teil der Zehn Gebote geworden ist.

Der Sabbat in der Geschichte

Das Halten des Sabbats erfuhr in den Jahrhunderten bis zur Zeit Christi eine starke Wandlung. Im vorhergehenden Kapitel haben wir besprochen, wie Gott Israel davor warnte, seine großen Taten und Gesetze zu vergessen.

Die traurige Geschichte der alten Israeliten zeigt, daß sie nicht darauf hörten. Schließlich vergaß Israel Gott und zerfiel als Nation in die zwei Königreiche Israel und Juda, bis Israel von assyrischen und Juda von babylonischen Eroberern im 8. bzw. 6. Jahrhundert vor Christus in die Gefangenschaft weggeführt wurden. Warum gerieten die beiden Königreiche in Gefangenschaft?

Eine der empörendsten Sünden der Israeliten, die zu ihrer nationalen Gefangennahme führten, war die Entehrung des Sabbats. Noch als das Königreich Juda sich durch das sündige Verhalten seiner Bürger langsam selbst zerstörte, warnte Gott sie immer wieder durch den Propheten Jeremia: „Tragt am Sabbattage auch keine Last ... und verrichtet überhaupt keinerlei Arbeit, sondern haltet den Sabbattag heilig, wie ich euren Vätern geboten habe ... Wenn ihr aber nicht auf mich hört, den Sabbattag heilig zu halten..., so will ich Feuer an die Tore der Stadt legen, das soll die Paläste Jerusalems verzehren und nicht erlöschen“ (Jeremia 17,22. 27; Menge-Übersetzung).

Der Prophet Hesekiel, der von Babylon aus für Gott sprach, nachdem er und der größte Teil des Königreiches Juda in Gefangenschaft geführt worden waren, schrieb: „Ich gab ihnen auch meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen, damit sie erkannten, daß ich der HERR bin, der sie heiligt. Aber ... sie entheiligten meine Sabbate sehr..., weil sie meine Gesetze verachtet und nicht nach meinen Geboten gelebt und meine Sabbate entheiligt hatten“ (Hesekiel 20,12-13. 16).

Später, einige Jahrhunderte vor der Zeit Christi, kehrten viele jüdische Gefangene aus Babylon zurück und durften wieder in ihren früheren Gebieten leben. Sie wußten durch die Botschaften von Jeremia und Hesekiel, daß ihre Nation wegen der Mißachtung von Gottes Gesetz zerstört worden war. Das Entehren des Sabbats war eine ihrer Hauptsünden.

Einmal als Nation wiederhergestellt, beschlossen sie, niemals wieder denselben Fehler zu begehen. Als Folge davon hatten die religiösen Führer der Juden peinlich genaue Vorschriften gestaltet, die eingehend aufführten, was sie am Sabbat als erlaubt und verboten erachteten. Sie gingen von einem Extrem ins andere — von dem Mißachten und Mißbrauch des Sabbats zu der Forderung nach einem erdrückenden legalistischen Halten dieses Tages.

Hinzugefügte Sabbatvorschriften

Das Zondervan Pictorial Bible Dictionary beschreibt, wie extrem diese Maß- nahmen zur Zeit Christi geworden waren. Der religiöse Kodex bezüglich des Sabbats führte „39 grundsätzliche Kategorien von verbotenen Handlungen auf: Säen, Pflügen, Ernten, Garbenbinden, Dreschen, Worfeln, Reinigen, Mahlen, Sieben, Kneten, Backen ... Jede dieser Hauptverfügungen wurde weiter untersucht und ausgearbeitet, so daß es tatsächlich Hunderte von Dingen waren, die ein gewissenhafter, gesetzestreuer Jude am Sabbat nicht tun durfte. An dem Beispiel des Verbotes, einen Knoten zu knüpfen, wird dies ersichtlich. Da das Verbot zu allgemein gehalten war, wurde es notwendig, aufzuführen, welche Arten von Knoten verboten waren und welche nicht. Es wurde demgemäß niedergelegt, daß erlaubte Knoten solche waren, die mit einer Hand aufgebunden werden konnten.“

Nach diesem Kodex unterschied sich die Definition von „Arbeit‘‘, die das Sabbatgebot verletzen könnte, stark von jeder gewöhnlichen Definition von Arbeit. Zum Beispiel war Pflügen eine verbotene Kategorie von Arbeit, und wenige würden bestreiten, daß Pflügen eine schwere Arbeit ist. Jedoch nach der Auffassung der Rabbiner des ersten Jahrhunderts konnte das Verbot des Pflügens durch ein simples Spucken auf den Boden verletzt werden. Der Speichel könnte den Boden aufwühlen, was aus der Sicht der Rabbiner eine Art von Pflügen war! Frauen war verboten, am Sabbat in den Spiegel zu schauen, weil sie ein graues Haar hätten sehen und ausreißen können, und das hätte Arbeit bedeutet.

Am Sabbat Schuhe mit Nägeln zu tragen, war verboten, da nach der Ansicht der Autoritäten der Zusatz von Nägeln bedeutete, eine unnötige Last zu tragen. Selbst durch Gras zu gehen war nicht erlaubt, weil einige der Gräser gebogen und geknickt werden könnten, was Dreschen bedeutete, wiederum eine der verbotenen Kategorien von Arbeit.

In diese belastende, allzu scharfe religiöse Atmosphäre kam Jesus Christus, um zu lehren und zu predigen. Heute, ohne diesen historischen Hintergrund, ziehen viele Leute falsche Schlüsse darüber, wie Jesus den Sabbat sah. Die Verfasser der Evangelien berichten von zahlreichen Konfrontationen zwischen Jesus und den religiösen Führern seiner Zeit, die den Sabbat betrafen. Ein kurzer Überblick über den biblischen Bericht seiner Handlungen und seiner Lehren wird uns helfen zu verstehen, wie Christus den Sabbat sah.

Wenn wir diese Berichte aus dem Leben Christi ansehen, behalten Sie bitte ihre Zeitfolge im Gedächtnis. Die Gelehrten stimmen im allgemeinen darin überein, daß die Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas im ersten Jahrhundert in den 50er bis zu den 70er Jahren geschrieben wurden, etwa 20 bis 40 Jahre nachdem die aufgezeichneten Ereignisse stattgefunden hatten. Falls Jesus vorhatte, den Sabbat zu ändern oder aufzuheben, sollte diese Absicht in den historischen Berichten der Verfasser der Evangelien über sein Leben offenbar werden. Wie wir sehen werden, gibt es keinerlei Beweise, um diese Ansicht zu unterstützen.

Jesus predigt am Sabbat: Lukas 4,16-30

Die erste Erwähnung des Sabbats im Leben Jesu Christi steht in Lukas 4,16: „Und er [Jesus] kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.“

Hier, in der ersten Erwähnung des Sabbats im Evangelium, ganz am Anfang des Wirkens Christi, finden wir, daß es die Gewohnheit Jesu war — seine normale Handlungsweise —, „am Sabbat in die Synagoge“ zu gehen. Dieses war nicht ein einmaliger Vorfall; auch später lehrte er weiterhin am Sabbat in der Synagoge (Markus 6,2; Lukas 13,10).

Weiter im Bericht von Lukas: „Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht: Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. Und als er das Buch zutat ... Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (Lukas 4,17-21).

Jesus zitierte Jesaja 61,Vers 1 und 2, was jene in der Synagoge als eine Prophezeiung für das messianische Zeitalter erkannten. Indem er sagte: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“, nahm Jesus für sich in Anspruch, diese Prophezeiung zu erfüllen. Er erklärte sich selbst als der erwartete Messias! Jesus fuhr fort, sein Amt mit dem der Propheten Elia und Elisa zu vergleichen. Seine Zuhörer, die klar die Bedeutung verstanden, versuchten umgehend, Jesus für seinen Anspruch zu töten, doch er entkam ihnen (Verse 23-30).

Dieses ist die erste Erwähnung des Sabbats während der Zeit seines Wirkens. An jenem Tag verkündigte Jesus Christus zum ersten Mal, daß er der prophezeite Messias war — indem er sich als Retter der gesamten Menschheit offenbarte. Es war ein bedeutendes Ereignis. In Nazareth war er aufgewachsen. Die Menschen in Nazareth waren die ersten, die an jenem Sabbat hörten, daß er der Messias war. Er wies sie auf die Hoffnung seiner kommenden Herrschaft hin — das Evangelium vom Reich Gottes!

Jesus heilt am Sabbat und treibt Dämonen aus: Lukas 4,31-39

Jesus begann sofort damit, den Sabbat dafür zu nutzen, das kommende Reich Gottes zu verkündigen und seine übernatürliche Kraft als Messias zu zeigen. „Und er ging hinab nach Kapernaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie am Sabbat. Und sie verwunderten sich über seine Lehre; denn er predigte mit Vollmacht“ (Lukas 4,31-32).

Als nächstes befahl Jesus einem Dämon, aus einem Mann auszufahren. Über jene in der Synagoge „kam eine Furcht ... und sie redeten miteinander und sprachen: Was ist das für ein Wort? Er gebietet mit Vollmacht und Gewalt den unreinen Geistern, und sie fahren aus“ (Verse 33-36).

Dann ging Jesus zum Haus des Petrus, wo er Petrus’ Schwiegermutter von einem Fieber heilte. Schließlich, als der Sabbat zu Ende ging, „brachten alle ihre Kranken mit mancherlei Leiden zu ihm. Und er legte die Hände auf einen jeden und machte sie gesund. Von vielen fuhren auch die bösen Geister aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn sie wuß- ten, daß er der Christus war“ (Verse 38-41).

Als der Erlöser verstand Jesus den Zweck des Sabbats, daß er eine absolut passende Zeit war, der Menschheit seine Botschaft der Heilung, Hoffnung und Erlösung zu bringen und diese Botschaft durch seine Taten vorzuleben. Selbst die Dämonen erkannten an, daß er der prophezeite Messias war (was die Bedeutung von „Christus“ ist, Johannes 1,41). Jesus benutzte den Sabbat, um die Menschen auf sich als Arzt und Erlöser der Menschheit hinzuweisen.

Jesus verteidigt seine Jünger vor den Pharisäern wegen angeblicher Arbeit am Sabbat: Matthäus 12,1-8; Markus 2,23-28; Lukas 6,1-5

Textstellen in Matthäus 12, Markus 2 und Lukas 6 werden falsch ausgelegt, um zu beweisen, daß Jesus das Sabbatgebot brach. Aber lassen Sie uns anschauen, was wirklich geschah. Nach Markus’ Bericht begab es sich, „daß er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“ (Markus 2,23-24).

Die Pharisäer waren ein übermäßig strenger Zweig des Judentums, der zur Zeit Jesu eine beachtliche religiöse Autorität innehatte. In ihrer Auslegung, was am Sabbat erlaubt war, gingen sie ins Extrem. Ihre Frage erweckte den Anschein, daß die Jünger schwer arbeiteten, um am Sabbat Getreide zu ernten. Lukas’ Bericht klärt jedoch das Handeln der Jünger auf:Als sie durch das Kornfeld gingen, „rauften [sie] Ähren aus und zerrieben sie mit den Händen und aßen“ (Lukas 6,1). Sie taten das, weil sie hungrig waren (Matthäus 12,1), und nicht, weil sie das Feld abernteten.

Kein Bruch des Sabbatgebotes

Ihr Handeln war nach den Gesetzen, die Gott der Nation Israel gegeben hatte, völlig annehmbar. Tatsächlich gab Gott eine besondere Erlaubnis, Getreide auf dem Feld eines anderen abzupflücken (5. Mose 23,26). Gott sagte seinem Volk sogar, daß es Teile seiner Felder nicht abernten sollte, damit die Armen und die Reisenden essen könnten, was übrig war (3. Mose 19,9-10; 23,22).

Die Jünger gingen durch das Feld, brachen sie beim Gehen Ähren ab, rieben sie in ihren Händen, um die Spreu zu entfernen, und aßen die Körner. Die Pharisäer, die in ihren Regeln bezüglich des Sabbats zu den Strengsten gehörten, sahen die Handlung der Jünger als „Ernten“ und „Dreschen“ an, was zu den 39 Kategorien gehörte, die an diesem Tag verboten waren. Obwohl diese Handlungen nicht Gottes Sabbatgebot verletzten, brachen sie die von Menschen aufgestellten Vorschriften der Pharisäer. Für die Pharisäer war das Verhalten der Jünger am Sabbat nicht richtig, und sie kritisierten sie dafür.

Das Gesetz sah Gnade vor

Jesus wies darauf hin, daß König David und sein hungriges Gefolge, als sie vor König Sauls Armee flohen, Brot erhielten, das normalerweise nur von Priestern gegessen werden durfte; doch sie waren in Gottes Augen schuldlos (Markus 2, 25-26). Er wies auch darauf hin, daß sogar die Priester, die in Gottes Tempel dienten, am Sabbat arbeiteten, indem sie Gottesdienste leiteten und Opfer darbrachten. Doch Gott sah sie als untadelig an (Matthäus 12,5).

In beiden Beispielen wurden weder der Geist noch die Absicht des Gesetzes mißachtet, und beide Fälle waren ausdrücklich von Gott um des größeren Wohles willen erlaubt worden, sagte Christus. Er betonte, daß Gottes Gesetz Gnade vorsah und daß die Pharisäer völlig zu Unrecht ihre harten, von Menschen aufgestellten Vorschriften über alles andere, einschließlich der Gnade, erhoben.

Er erklärte, wie die Pharisäer wegen ihrer verzerrten Sichtweise tatsächlich die Dinge auf den Kopf gestellt hätten. „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen“, stellte er fest. Wegen ihrer engen, legalistischen Sichtweise des Sabbats war der siebte Tag der Woche eine Last geworden, beschwert mit Hunderten von Regeln und Vorschriften darüber, was an diesem Tag zulässig war und was nicht.

Jesus jedoch wies auf den wahren Zweck des Tages hin, wie er von Anfang an beabsichtigt war: Gott schuf den Tag zu einem Segen, zu einer Zeit des Ruhens von der üblichen Arbeit, anstatt zu einer nicht zu bewältigenden Last. Es war eine Zeit, die genossen und nicht ertragen werden sollte. Weiter sagte er, daß der Sabbat für die gesamte Menschheit erschaffen wurde, nicht nur für die Nation Israel.

Jesu Lehre in diesen Versen wird zusammengefaßt in dem Anchor Bible Dictionary, Band 5, Stichwort „Sabbat“, herausgegeben von David Noel Freedman, Seite 855 und 856: „Zeitweilig wird aufgrund der Kontroversen bezüglich Heilungen am Sabbat und anderer Taten dargelegt, daß Jesus das Sabbatgebot abgeschafft oder aufgehoben hätte. Eine sorgfältige Analyse der entsprechenden Stellen untereinander scheint diese Interpretation nicht zu untermauern. Die Handlung der Jünger, am Sabbat Ähren abzupflücken, ist in dieser Angelegenheit besonders wichtig. Jesus gibt eine grundlegende Erklärung ab: ,Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen‘ (Markus 2,27). Die Handlung der Jünger, Ähren auszuraufen, verstieß gegen die rabbinische halakhah von extremer Spitzfindigkeit, nach der es verboten war, am Sabbat zu ernten, zu dreschen, zu worfeln und zu mahlen ...

Jesus reformiert den Sabbat und setzt ihn wieder an seinen angestammten Platz ein, wie er in der Schöpfung geplant war, als der Sabbat für die ganze Menschheit gemacht wurde und nicht speziell für Israel, wie vom maßgebenden Judentum behauptet wurde ... Bei der Schöpfung war es Gottes Wille, daß der Sabbat der Menschheit zur Ruhe dienen und ihr Segen bringen sollte.“

In diesem Beispiel sehen wir, daß Jesus Christus die wahre Absicht des Sabbats verstand und erläuterte: daß er erschaffen wurde, um ein Tag der Ruhe von der normalen Arbeit zu sein, ein Segen und ein Gewinn für die gesamte Menschheit.

Eine weitere Heilung am Sabbat: Matthäus 12,9-14; Markus 3,1-6; Lukas 6,6-11

Unmittelbar nach der Kontroverse mit den Pharisäern über das Ausraufen von Ähren am Sabbat berichten die Evangelien, wie Jesus in einer anderen Konfrontation darüber befand, was nach dem Gesetz am Sabbat getan werden konnte und was nicht. Die Vorschriften der Pharisäer gingen so weit, zu verbieten, einem Kranken am Sabbat Hilfe zu leisten, es sei denn, daß das Leben der Person bedroht war!

Am Sabbat traf Jesus in der Synagoge einen Mann mit einer verdorrten, runzeligen Hand: eine schwere Behinderung, aber nicht lebensgefährlich. „Tritt hervor“, sagte Jesus zu dem Mann (Markus 3,3). Erzürnt und bekümmert, daß ihr abgestumpftes, verhärtetes Denken unfähig war, die grundlegendste Absicht von Gottes Gesetz zu verstehen, fragte Jesus die Zuschauenden: „Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten?“

Unfähig oder unwillig zu antworten, blieben sie still. Vor der gesamten Synagoge heilte Jesus die Hand des Mannes und stellte sie wieder völlig her. Weit davon entfernt, sich über den Segen, der dem Mann zuteil wurde, zu freuen, gingen die Pharisäer „hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes, wie sie ihn umbrächten“ (Verse 4-6). Anstatt eine lebenswichtige geistliche Lektion über die Absicht und den Zweck des Sabbats zu lernen, waren die Pharisäer wütend, daß Jesus über ihre strengen Richtlinien hinwegsah. Anstatt seine Botschaft von Gnade und Mitgefühl zu verstehen, verschworen sie sich, den Botschafter zu töten.

Weit davon entfernt, den Sabbat aufzuheben, zeigte Jesus, daß der Sabbat eine angemessene Zeit ist, Menschen in Not Hilfe und Trost zu geben. Das Sabbatgebot wies die Menschen nicht an, was sie an dem Tag tun sollten, sondern nur, was sie nicht tun sollten. Jesus machte klar, was für Gott annehmbar war: „Darum darf man am Sabbat Gutes tun“, verkündete er (Matthäus 12,12).

Der pharisäische Legalismus ging weit über Gottes Gebot, nicht am Sabbat zu arbeiten, hinaus und erzeugte zahlreiche Regeln, die selbst die grundlegendsten menschlichen Aktivitäten beschränkten — etwas, das Gott nie beabsichtigt hatte. Doch selbst die Vorschriften der Pharisäer ließen Raum für Notfälle, wie einem Schaf am Sabbat aus einer Grube herauszuhelfen (Vers 11). Jesus erklärte, daß der Sabbat ein Tag ist, an dem Gutes getan werden kann und sollte.

Einige, die das Halten des Sabbats ablehnen, interpretieren Jesu Aussage, daß „man am Sabbat Gutes tun“ darf (Matthäus 12,2), als das Ende einer Aussonderung von Tagen für Ruhe oder andere religiöse Zwecke. Um jedoch zu schließen, Jesus habe die einzigartige Bedeutung des Sabbats aufgehoben, indem er lehrte, daß man an diesem Tag Gutes tun darf, muß man annehmen, daß es ursprünglich gegen das Gesetz war, am Sabbat Gutes zu tun. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Jesu Beispiel zeigt, daß gute Taten am Sabbat ausdrücklich erlaubt waren (Matthäus 12,12; Markus 3,4; Lukas 6,9). Der Sabbat ist zwar ein Tag, den Gott zur Ruhe und für Gottesdienste gegeben hat, aber das schließt nicht aus, am Sabbat Gutes zu tun.

Jesu Heilungen am Sabbat ließen auch etwas viel Größeres ahnen: die Wunderheilungen, die im messianischen Zeitalter kommen werden. Jesaja prophezeite von dieser Zeit: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken“ (Jesaja 35,5-6).

Die Taten unseres Erlösers am Sabbat sind eine Vorausschau auf die kommende Zeit des Friedens, der Wiederherstellung und der Heilung für alle Menschen.

Jesus heilt eine verkrüppelte Frau am Sabbat: Lukas 13,10-17

Lukas berichtet von einem anderen Vorfall, wie Jesus eine chronisch kranke Person am Sabbat in der Synagoge heilt. In diesem Fall war es eine Frau, „die ... seit achtzehn Jahren einen Geist [hatte], der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten“ (Lukas 13,11). Er rief sie zu sich, legte ihr seine Hände auf, „und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott“ (Vers 13).

Die Menge wartete in dem Bewußtsein, daß Jesus soeben das enge, einschränkende Heilungsverbot am Sabbat verletzt hatte, um zu schauen, was als nächstes geschehen würde. Die Leute mußten nicht lange warten. „Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und laßt euch heilen, aber nicht am Sabbattag“ (Vers 14).

Jesus Christus wollte diese Einstellung nicht dulden. „Ihr Heuchler!“ antwortete er. „Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Sollte dann nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden?“ Seine Antwort wirkte auf die Menge ein. „Und als er das sagte, mußten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen waren. Und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen“ (Verse 15-17).

Jesus betont hier, daß der Sabbat eine Zeit der Befreiung darstellt — des Lösens von Fesseln. So hilft Jesus uns, Gottes Absicht für das Halten des Sabbats besser zu verstehen. Selbst die strikten Vorschriften der Pharisäer erlaubten das Füttern und Tränken von Tieren am Sabbat. Wenn es nicht das Sabbatgebot bricht, für die grundlegenden Lebensbedürfnisse von Tieren zu sorgen, um wieviel mehr ist dann das „Lösen“ durch Heilung am Sabbat angebracht!

Jesu Beispiel erinnert uns, daß der Sabbat eine angemessene Zeit ist, Kranke und Alte zu besuchen und ihnen so zu helfen, den Tag als eine Zeit der Freiheit zu feiern. Wie er zuvor gesagt hatte, war er gekommen, „zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen“ (Lukas 4,18), womit er die herrliche Freiheit von geistlicher Knechtschaft meinte, die ein Kennzeichen seiner kommenden Herrschaft als Messias sein wird.

Jesus heilt einen Mann am Sabbat: Lukas 14,1-6

Die nächste Erwähnung des Sabbats finden wir in Lukas 14. Dieser Vorfall fand im Hause eines prominenten Pharisäers statt, wohin Jesus am Sabbat gegangen war, um an einem Essen teilzunehmen. Ein Mann mit einem chronischen Leiden kam vor ihn. „Ist’s erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?“ fragte Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer. Keiner antwortete. Jesus heilte den Mann, der unverzüglich die unbehagliche Atmosphäre der Versammlung verließ (Verse 3-4).

„Wer ist unter euch, dem sein Sohn oder sein Ochse in den Brunnen fällt, und der ihn nicht alsbald herauszieht, auch am Sabbat?“ fragte Jesus.

Sie konnten ihm nicht antworten (Verse 5-6). Fragen wie diese waren jahrelang unter den jüdischen Lehrern diskutiert worden. Selbst sie erkannten, daß das Gebot zu ruhen nicht für Notfälle galt, wenn Leib und Leben auf dem Spiel standen.

Jesu Einstellung war, daß eine Gelegenheit, Leiden zu erleichtern, genutzt werden sollte — wann immer sie sich bietet, also auch am Sabbat. Zur Absicht des Sabbats gehörte nie ein Verbot, an diesem Tag Gutes zu tun. Jesus kannte den Kern von Gottes Gesetz sehr gut: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18). Sowohl Jakobus als auch Paulus verstanden, daß Liebe die Erfüllung von Gottes Gesetz ist (Jakobus 2,8; Galater 5,14).

Jesu Beispiel zeigte, daß jeder Tag im Geist und Sinn von Gottes Gesetz gelebt werden soll, welches die Liebe ist.

Jesus heilt einen Invaliden am Sabbat: Johannes 5,1-18

Johannes 5 berichtet von einer Sabbatheilung, die nicht in den anderen Evangelien erwähnt wird, und fügt damit eine weitere Dimension zu den Taten Jesu am Sabbat hinzu. In diesem Fall heilte Jesus einen Mann, der seit 38 Jahren ein Invalide war. „Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“ wies Jesus den Mann an (Vers 8).

Der Mann war sofort geheilt, nahm die Matte auf, auf der er gelegen hatte, und ging fort und wurde dann von anderen Juden wegen des Tragens der Matte zur Rechenschaft gezogen. „Es ist heute Sabbat; du darfst dein Bett nicht tragen“, warnten sie ihn (Vers 10). „Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin!“ erwiderte er (Vers 11).

Nachdem sie herausfanden, daß es Jesus war, der die Heilung durchgeführt und dem Mann gesagt hatte, er solle seine Matte tragen, „verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte“ (Vers 16). Ihre Sicht vom Sabbat war so entstellt, daß sie sich mehr auf ihre eigenen kleinlichen Sabbatregeln konzentrierten, statt auf die wunderbare Heilung des 38 Jahre währenden Gebrechens dieses Mannes!

Jesu Antwort auf ihre Anschuldigung, den Sabbat gebrochen zu haben, ärgerte seine Ankläger noch mehr. „Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag, und ich wirke auch“, sagte er. „Darum trachteten die Juden noch viel mehr danach, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich“ (Verse 17-18).

Was er brach, war nicht Gottes Sabbatgebot, sondern die restriktiven Einschränkungen der Pharisäer bezüglich dessen, was sie am Sabbat für erlaubt hielten. Jesus Christus konnte den Sabbat nicht gebrochen haben, weil er einen Fluch über jeden ausgesprochen hatte, der „eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so“ (Matthäus 5,19).

Aber was meinte Christus, als er sagte: „Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag, und ich wirke auch“? Die Life Application Bible sagt zu diesem Vers: „Wenn Gott jede Art von Arbeit am Sabbat einstellen würde, würde die Natur ins Chaos verfallen und Sünde die Welt überrennen. 1. Mose 2, Vers 2 sagt, daß Gott am siebten Tag ruhte, aber das kann nicht bedeuten, daß er aufhörte, Gutes zu tun.

Gott schuf den Sabbat als einen Ruhetag für die Menschheit, nicht für sich selbst. Er ruhte am siebten Tag von seiner Arbeit, die Welt zu gestalten, um uns zu zeigen, daß wir auch von unserer normalen Arbeit ruhen sollen. Aber Gott macht mit einigen Arbeiten unaufhörlich weiter. Nacht und Tag, sieben Tage in der Woche, arbeitet er, um die Menschheit in sein Reich zu bringen. Er arbeitet, um den Menschen zu helfen, am Sabbat geistlich zu wachsen. Er arbeitet beständig, um eine enge, persönliche Beziehung zu seinem Volk aufzubauen. Gemäß den Berichten der Evangelien heilte Jesus mehr Leute am Sabbat als an irgendeinem anderen Tag. Er lehrte und predigte am Sabbat.

Sündigte er? Nein. Seine Handlungen waren Teil von Gottes Werk, den Menschen zu helfen, seine Lebensweise zu verstehen, um schließlich in das Reich Gottes einzugehen; sie waren daher absolut annehmbar für Gott.

Beschneidung und der Sabbat: Johannes 7,21-24

In Johannes 7, Vers 24 faßt Jesus zusammen, was für jene, die ihn für das Heilen am Sabbat kritisierten, offensichtlich gewesen sein sollte: „Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.“ Die enge, intolerante Sichtweise der Pharisäer konzentrierte sich mehr auf den äußerlichen Anschein als auf irgend etwas anderes. Jesus tadelte sie für ihre Betonung physischer Dinge, während sie Wichtigeres wie Recht, Barmherzigkeit und Glauben vernachlässigten (Matthäus 23,23).

Um das Extrem zu veranschaulichen, das die Sichtweise der Pharisäer kennzeichnete, benutzte Jesus das Beispiel der Beschneidung. Er wies darauf hin, daß die Beschneidung, ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und der Nation Israel, an einem Sabbat durchgeführt werden konnte, ohne ihn zu brechen. Und wenn diese Veränderung an einem der 248 Teile (nach der jüdischen Zählung) des Körpers an einem Sabbat vorgenommen werden durfte, argumentierte er: „Was zürnt ihr dann mir, weil ich am Sabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe?“ (Johannes 7,22-23).

Die Widersprüchlichkeit, die rituelle Beschneidung zu erlauben, während Barmherzigkeit denen gegenüber, die Heilung brauchten, für ungesetzlich erklärt wurde, bedeutete, gefühllos die Absicht von Gottes Gesetz zu mißachten. „Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht“, warnte er seine Kritiker (Vers 24).

Wie Jesus feststellte, brachen die Juden durch ihre falschen Ansichten von den Geboten Gottes tatsächlich das Gesetz, anstatt es durch ihre zusätzlichen Regeln aufrechtzuerhalten (Matthäus 23,3. 28; Markus 7,6-9). „Niemand unter euch tut das Gesetz“, sagte er ihnen (Johannes 7,19) und tadelte sie für ihre verdrehte Interpretation von Gottes Gesetz. Sie hielten das Gesetz nicht in der richtigen Weise, und Jesus stellte richtiges Verständnis und richtige Praxis wieder her.

Jesus heilt einen blinden Mann am Sabbat: Johannes 9,1-34

Jesus benutzte das Ereignis der Heilung eines blinden Mannes an einem Sabbat, um seine Aufgabe als Messias zweifach zu verkündigen. Er sagte zu seinen Jüngern: „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist ... Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (Johannes 9,4-5). Dann heilte er den Mann von seiner Blindheit.

Die Pharisäer verhörten den gerade geheilten Mann und schüchterten ihn ein. „Dieser Mensch [Jesus] ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält“, behaupteten sie (Vers 16). Der Mann entgegnete: „Das ist verwunderlich ... er hat meine Augen aufgetan ... Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun“ (Verse 30, 33).

Verärgert, daß ihre Autorität in Frage gestellt und ihre Meinungen angezweifelt wurden, „stießen [sie] ihn hinaus“ und schlossen den Mann aus der Synagoge aus (Vers 34). Er wurde als ein Ketzer verdammt, von Familie und Freunden getrennt.

Jesus machte den Mann ausfindig. „Glaubst du an den Menschensohn?“ fragte Jesus.

„Herr, wer ist’s? daß ich an ihn glaube“, erwiderte der Mann.

„Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist’s“, antwortete Christus. Der Mann erkannte Christus dann als den Sohn Gottes an. Darauf sagte Christus: „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, damit, die nicht sehen, sehend werden, und die sehen, blind werden“ (Verse 35-39).

Jesus machte erneut klar, daß er der Messias war, der Sohn Gottes. Mit diesem Ereignis betonte er wieder sein Erlösungswerk für die Menschheit, wie er es so viele Male am Sabbat tat.

Änderte Jesus das Gesetz?

Diese Berichte fassen die typischen Handlungen Christi am Sabbat zusammen, die in den vier Evangelien aufgezeichnet sind. Wie schon früher festgestellt, sehen einige nur, was sie in diesen Versen sehen wollen — den vermeintlichen Beweis, daß Jesus Christus das Sabbatgebot brach. Wie die Schrift jedoch tatsächlich zeigt, tat Jesus dies nicht. Er lehnte nur die fehlgeleiteten, restriktiven Vorschriften der religiösen Führer für den Sabbat ab, aber er brach nie Gottes Gebote. Hätte er das getan, dann hätte er gesündigt (1. Johannes 3,4), doch Jesus sündigte nie. Er führte ein sündenfreies Leben und ist deshalb unser vollkommenes Sühneopfer, der Erlöser der gesamten Menschheit (1. Petrus 2,22; Epheser 5,2; 1. Johannes 4,14).

Es wäre für Jesus undenkbar gewesen, Gottes Geboten nicht zu gehorchen. Er sagte von sich selbst: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser [Gott der Vater] tut, das tut gleicherweise auch der Sohn“ (Johannes 5,19).

Was tat Jesus? Nach seinen eigenen Worten tat er genau das, was sein Vater tut. Doch einige denken irrtümlicherweise, daß er kam, um Gottes heiliges Gesetz umzustoßen und es als Maßstab richtigen Verhaltens zu beseitigen.

„Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“, sagte er (Johannes 5,30). Die Motivation Jesu Christi war, den Willen seines Vaters zu tun. Sein Lehren am Sabbat offenbarte Gottes Willen.

Jesu Christi klare Aussage

Jesus selbst machte ganz klar, daß er nicht beabsichtigte, den Sabbat oder irgendeinen Teil des Gesetzes Gottes zu ändern oder abzuschaffen. „Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen“, sagte er, „ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Matthäus 5,17).

Das griechische Wort pleroo, das als „erfüllen“ übersetzt wird, bedeutet „vollmachen“, „vollfüllen“, „bis ins Detail vollständig machen“, „vollkommen machen“ oder „bis zum Ende durchführen“ (Thayer’s Greek Lexicon, Stichwort „Fulfill“). Mit anderen Worten: Jesus sagte, er kam, um das Gesetz zu vervollständigen und es vollkommen zu machen. Wie? Indem er die geistliche Absicht von Gottes Gesetz zeigte. Der Rest des Kapitels zeigt klar die geistliche Absicht spezifischer Gebote, womit Jesus das Gesetz um eine geistliche Dimension erweiterte.

Einige verdrehen den Sinn von „erfüllen“ dahingehend, daß Jesus gesagt hätte: „Ich kam nicht, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu Ende zu führen, indem ich es erfüllte.“ Dieses stimmt in keiner Weise mit seinen eigenen Worten überein. Jesus machte klar, daß er nichts von Gottes Gesetz abschaffte: „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht [erfüllt ist]“ (Vers 18).

Hier wird ein anderes griechisches Wort für „erfüllen“ verwendet: ginomai, was bedeutet „geschehen“ (Thayer’s). Um jedes mögliche Mißverständnis auszuschließen, warnte er jene, die versuchen würden, Gottes Gesetz abzuschaffen: „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich“ (Vers 19).

Jesus erfüllte, indem er Gottes Gesetz erklärte und durch Beispiele erweiterte, eine Prophezeiung über den Messias, die wir in Jesaja 42, Vers 21 finden: „Dem Herrn hat es gefallen um seiner Gerechtigkeit willen, daß er sein Gesetz herrlich und groß mache.“ Jesus Christus tat genau das, indem er das wahre Ziel und Ausmaß von Gottes Sabbatruhe zeigte.

Jesu Beispiel folgen

Als er gefragt wurde: „Welches ist das höchste Gebot von allen?“, antwortete Jesus Christus: „Das höchste Gebot ist das: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften“ (Markus 12,28-30).

Hier formulierte Christus das größte Gebot des Alten Testamentes neu (5. Mose 6,4-5). Jene, die den biblischen Sabbat halten, streben danach, diesem Gebot zu gehorchen. Sie befolgen damit auch Jesu Anweisung: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt“ (Johannes 14,21).

Jesus Christus ist unser Herr und Meister (Philipper 2,9-11). Er verkündete auch, daß er „ein Herr auch über den Sabbat“ ist (Markus 2,28); so sollten wir seinem Beispiel folgen und den Sabbat — und alle Gebote Gottes — halten, wie er es lehrte und vorlebte.