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Woher kam der Teufel?

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Woher kam der Teufel?

Für die Menschen, die die Existenz Gottes verneinen, erübrigt sich die Frage nach dem Ursprung des Teufels. Wenn es Gott nicht gibt, dann gibt es auch keinen Teufel. Für alle jedoch, die an die Existenz eines Schöpfers glauben, stellt sich die Frage: Woher kam der Teufel? Wenn Gott alles erschaffen hat, muss auch das Wesen, das wir heute Satan den Teufel nennen, ein Teil der Schöpfung sein. Von selbst wird er wohl nicht entstanden sein.

Darin sehen Atheisten einen Widerspruch für gläubige Menschen. Wenn Gott wirklich die Liebe ist, so argumentieren sie, wie kann er als Teil seiner Schöpfung ein Wesen wie den Teufel erschaffen haben? Der Atheist kann das Konzept eines liebevollen Gottes nicht mit der Existenz des Teufels vereinbaren.

Auf den ersten Blick scheint die Bibel den Standpunkt des Atheisten zu bestätigen. In Johannes 1, Vers 3 heißt es nämlich in Bezug auf die schöpferische Tätigkeit des Wortes, das in Menschengestalt als Jesus Christus erschienen ist: „Alle Dinge sind durch dasselbe [= das Wort bzw. Jesus Christus] gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ Da nur Gott ewiglich existiert hat, gehört auch der Teufel zu den „Dingen“, die erschaffen wurden, und laut Johannes 1, Vers 3 muss Jesus an seiner Entstehung beteiligt gewesen sein.

Darüber hinaus nennt die Bibel den Teufel den „Gott dieser Welt“. Wie ist es dazu gekommen, dass der Teufel diese Funktion bekam? Hat Gott etwa von Anfang an den Teufel als rebellischen Widersacher geschaffen, um die Menschen zu verführen und mit allen möglichen Übeln zu plagen? Für gläubige Menschen sind das keine Fragen, die man einfach ignorieren kann, haben sie doch mit unserem Gottesbild zu tun!

Vielleicht finden wir einen Ansatz für eine logische Antwort auf unsere Fragen in einigen scheinbar widersprüchlichen Aussagen über die Schöpfung.

Der Schöpfungsbericht näher analysiert

Fast allen Menschen in der westlichen Welt – auch solchen, die sich nicht zum Christentum bekennen – ist der erste Satz der Bibel bekannt: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1,1). Hier geht es um einen Anfang, wobei Gott bereits vor der Erschaffung alles Physikalischen existierte.

Gleich im nächsten Vers heißt es dann: „Und die Erde war wüst und leer“ (Vers 2). Die nachfolgenden Verse (besonders Verse 3-10) halten einige für eine Wiederholung von Vers 1, denn diese Verse scheinen zumindest teilweise die nochmalige Erschaffung von Himmel und Erde zu beschreiben.

Wie ist es nun? Hatte Gott bei der Erschaffung von Himmel und Erde einen schlechten Tag erwischt? Ist es ihm sozusagen „auf Anhieb“ nicht gelungen, Himmel und Erde in perfektem Zustand zu erschaffen? Hat er sie „wüst und leer“ erschaffen? Diese Sichtweise widerspricht klaren Aussagen der Bibel an anderer Stelle.

Die hebräischen Wörter für „wüst“ bzw. „leer“ in Vers 2 sind die auch im Deutschen bekannten Begriffe tohu und bohu in der Wendung „Tohuwabohu“. Sie bedeuten Chaos, Durcheinander, Wirrnis – Unordnung statt Ordnung. War eine solche Unordnung wirklich der Urzustand unserer Erde? Das entspricht nicht den Wesensmerkmalen Gottes, denn in 1. Korinther 14, Vers 33 lesen wir: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (alle Hervorhebungen durch uns). Gottes Wesen drückt sich durch Ordnung und Frieden aus, nicht durch Chaos und heilloses Durcheinander – also nicht durch tohu und bohu.

Beim alttestamentlichen Propheten Jesaja gibt es einen Hinweis auf den ursprünglichen Zustand der Schöpfung, die auch in 1. Mose 1, Vers 1 genannt wird. Jesaja zitiert Gott wie folgt: „Denn so spricht der HERR, der den Himmel geschaffen hat – er ist Gott; der die Erde bereitet und gemacht hat – er hat sie gegründet; er hat sie nicht geschaffen, dass sie leer sein soll, sondern sie bereitet, dass man auf ihr wohnen solle: Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr“ (Jesaja 45,18). In der Menge-Bibel lautet der hervorgehobene Teil dieses Verses: „Nicht zu einer Einöde hat er sie geschaffen.“

Gott belegt mit dieser Aussage seine Existenz als der einzig wahre Gott. Er ist der Schöpfer, den niemand nachahmen kann, und die Erschaffung der Erde ist ihm nicht misslungen. Interessanterweise steht hier im Urtext für „leer“ das hebräische Wort tohu mit der Bedeutung Wüste bzw. Einöde. Gott sagt aus- drücklich, dass die Erde bei ihrer Erschaffung (vgl. 1. Mose 1,1) nicht tohu war, d. h. sie war nicht in einem chaotischen Zustand der Unordnung. 

Die Aussagen in 1. Mose 1, Vers 2 und Jesaja 45, Vers 18 würden sich widersprechen – und damit wäre die Bibel unglaubwürdig –, es sei denn, dass der in 1. Mose 1, Vers 2 beschriebene Zustand der Unordnung erst zu einem späteren Zeitpunkt nach der Urschöpfung eingetreten ist. Gibt es biblische Anhalts punkte für diese Annahme? Aus dem Wortlaut der Bibelstelle in 1. Mose 1, Verse 1-2 und anderer Stellen im hebräischen Grundtext haben ei nige Forscher den Schluss gezogen, dass der zweite Vers der Bibel anders übersetzt werden könnte bzw. sollte: „Die Erde wurde wüst und leer.“

Dazu Gleason Archer, Professor für biblische Sprachen an der Universität Maryland: „Es ist ebenso möglich, dass das Verb ,war‘ in 1. Mose 1,2 mit ,wurde‘ übersetzt . . . werden kann: ,Und die Erde wurde wüst und leer.‘ Die Verwandlung der ursprünglichen Vollkommenheit der Schöpfung Gottes in ein Chaos wäre nur durch eine kosmische Katastrophe zu erklären, und gerade das scheint eine vertretbare Interpretation zu sein“ (A Survey of Old Testament Introduction, Moody Press, Chicago, 1974, Seite 184).

Mit anderen Worten: Der hebräische Wortlaut von 1. Mose 1, Verse 1-2 deutet an, dass Gottes ursprüngliche Schöpfung durch etwas zerstört wurde. Das erste Kapitel der Bibel beschreibt demnach die Wiederherstellung der zerstörten Schöpfung in nur sechs Tagen, die in der Erschaffung des Menschen am sechsten Tag gipfelte und mit dem folgenden siebten Tag – dem Sabbat, einem Ruhetag – abgeschlossen war.

Die Beschreibung einer nicht näher bestimmten Zeitspanne zwischen dem in 1. Mose 1, Vers 1 beschriebenen Schöpfungsakt, der vollkommene Schönheit hervorbrachte, und der Verwandlung der Erde in ein Chaos (Vers 2) wird oft die „Lückentheorie“ genannt. Die Bibel definiert die Zeitdauer der „Lücke“ nicht; sie kann einen durchaus größeren Zeitraum umfassen. Damit besteht auch kein Widerspruch zwischen dem biblischen Bericht und den naturwissenschaft - lichen Entdeckungen, wonach die Erde mehrere Milliarden Jahre alt sein kann.

Wodurch entstand das Chaos?

Wodurch ist die Erde in einen chaotischen Zustand versetzt worden? Interessanterweise werden die hebräischen Wörter tohu und bohu in Jeremia 4, Verse 22-23 in Verbindung mit Sünde verwendet: „Aber mein Volk ist toll und glaubt mir nicht. Töricht sind sie und achten’s nicht; weise sind sie genug, Übles zu tun, aber recht tun wollen sie nicht lernen. Ich schaute das Land an, siehe, es war wüst [tohu] und öde [bohu], und den Himmel, und er war finster.“

Kann Sünde die Ursache für den chaotischen Zustand gewesen sein, den wir in 1. Mose 1, Vers 2 vorfinden? Wenn ja, dann können Menschen sie nicht begangen haben, denn Menschen gab es erst am sechsten Tag der Schöpfungs - woche. 1. Korinther 15, Vers 45 bestätigt, dass Adam der allererste Mensch gewesen ist. Daher können wir Menschen als Ursache für das Chaos, das nach Gottes Urschöpfung eingetreten war, ausschließen.

Die Bibel berichtet uns aber, dass es bereits vor der Erschaffung des Menschen Leben gegeben hat. In 2. Petrus 2, Vers 4 erfahren wir, dass Engel gesündigt haben: „Denn Gott hat selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont.“ Der Schöpfungsbericht in 1. Mose 1 lässt vieles ungesagt. Andere Aussagen der Bibel liefern jedoch eine Erklärung für das, was zwischen den ersten beiden Versen der Bibel geschehen ist, und bestätigen, dass Sünde im Spiel war.

Im Buch Hiob wird uns berichtet, dass Engel – in der Bibel auch „Sterne“ genannt – jubelten, als sie die Entstehung der Erde erlebten: „Wo warst du, als ich die Erde gründete? . . . als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne?“ (Hiob 38,4. 7). Die „Morgensterne“ sind in der Sprache der Bibel Engel, und als Geschöpfe Gottes sind sie auch Gottes Söhne. Als Gott „Himmel und Erde“ – das stoffliche Universum – schuf (1. Mose 1,1), existierten die Engel bereits, und beim Anblick der herrlichen, vollkommenen Schöpfung jubelten sie!

Wenn man nun verstehen will, wie es dazu kam, dass diese Erde „wüst und leer“ wurde, muss man wissen, was in der Zeit nach dieser „Ur“-Schöpfung stattfand. Die Bibel berichtet nämlich von einer Rebellion unter den vom Schöpfer erschaffenen Engeln, angeführt von dem Erzengel Luzifer, der sich gegen Gott erhob (Offenbarung 12,3-4). In einer übernatürlichen Schlacht, die große Zerstörungen auf der Erde, aber auch im Weltall mit sich brachte, wurde die Rebellion niedergeschlagen.

Im Neuen Testament wird Jesus Christus als Zeuge der Niederlage Luzifers zitiert (Lukas 10,18). Die Oberfläche der Erde musste also erneuert werden, als Gott die gegenwärtigen Lebensformen schuf. Wie viele Jahre zwischen der Verwüstung und der Neugestaltung der Erde liegen, offenbart die Bibel nicht. Sie stellt jedoch klar fest: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“

Der „König von Tyrus“

Satan, der in der Offenbarung als „Drache“ dargestellt wird (Offenbarung 12,9), „fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg“ (Offenbarung 12,4). Satan ist also der Anführer der gefallenen Engelschar, wie aus vielen Bibelstellen ersichtlich wird (Johannes 12,31; Matthäus 12,26; 25,41). Die Frage ist, ob Satan schon immer böse war oder durch seine eigenen Gedanken und Handlungen zum Widersacher Gottes wurde. 

Der alttestamentliche Prophet Hesekiel beschreibt die Veränderung, die im Denken Luzifers stattgefunden hat und letztlich dazu führte, dass er zum Widersacher [= „Satan“] Gottes wurde. In den ersten Versen von Hesekiel 28 wird der „Fürst zu Tyrus“ angesprochen. Mit ihm ist ein Mensch gemeint, der menschliche Herrscher des Stadtstaats Tyrus, einer antiken Handelsmacht im Mittelmeerraum.

Durch Hesekiel prangert Gott den Stolz dieses menschlichen Fürsten an. Offensichtlich meinte der Herrscher von Tyrus, göttlich zu sein. Sein Stolz verlei18 tete den Fürsten von Tyrus zu der Behauptung, er sei Gott, obwohl er doch nur ein Mensch war: „Weil sich dein Herz überhebt und spricht: Ich bin ein Gott, ich sitze auf einem Göttersitz mitten im Meer [die Lage von Tyrus an der li banesischen Küste], während du doch ein Mensch und nicht Gott bist“ (Hesekiel 28,2).

Die wahre Macht hinter dem Thron in Tyrus war Satan der Teufel, den der Apostel Paulus den „Gott dieser Welt“ nennt (2. Korinther 4,4). Die Geistes- haltung der Menschen in der Welt ist auf den Einfluss Satans zurückzuführen: „Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams“ (Epheser 2,1-2).

Die Behauptung des Fürsten von Tyrus, er sei Gott, war folglich auf den unsichtbaren Einfluss des Teufels zurückzuführen. Es ist das Bestreben Satans, sich in allen Dingen über Gott zu erheben. Der weitere Verlauf von Kapitel 28 zeigt uns, dass Satan in Wirklichkeit der wahre König von Tyrus war.

Statt den „Fürst zu Tyrus“ klagt Gott in Hesekiel 28, Verse 12-19 den „Kö- nig von Tyrus“ an. Der Zusammenhang macht klar, dass es sich bei diesem Kö- nig nicht um einen Menschen handeln kann. Zunächst bescheinigt Hesekiel diesem König große Weisheit, während der „Fürst zu Tyrus“ – ein Mensch – getadelt wurde, weil er sich klug wähnte (Vers 3): „So spricht Gott der HERR: Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön“ (Hesekiel 28,12).

Als Nächstes erfahren wir, dass der König von Tyrus ein erschaffenes Wesen ist, das im Garten Eden war: „In Eden warst du, im Garten Gottes . . . am Tag, als du geschaffen wurdest“ (Vers 13). Im Gegensatz zum „Fürsten zu Tyrus“, der ein Zeitgenosse Hesekiels war, kann dieser König kein damaliger Mensch gewesen sein, denn niemand war zu jener Zeit noch am Leben, der auch im Garten Eden gewesen ist.

Deshalb sind einige Kommentatoren der Auffassung, dass mit dem König von Tyrus der erste Mensch überhaupt – Adam – gemeint sein muss. Der unmittelbare Zusammenhang zeigt jedoch, dass es sich nicht um Adam handeln kann: „Du warst ein glänzender, schirmender Cherub, und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt“ (Hesekiel 28,14). Adam war kein Cherub – ein Engel – und er hatte auch keinen Zutritt zum heiligen Berg Gottes. 

Hier kann es sich nur um Satan handeln, der selbst im Garten Eden gewesen ist (1. Mose 3,1-7). Hesekiel 28, Verse 12-14 ist daher eine Beschreibung Satans in seinem ursprünglichen Zustand, wie Gott ihn erschaffen hatte. Er war sozusagen ein Musterbeispiel der Vollkommenheit, äußerst schön und voller Weisheit.

Der Urheber der Sünde

In Hesekiel 10 erfahren wir außerdem, dass die Cherubim direkten Zutritt zu Gott hatten. Zwei dieser besonderen Engel haben den Thron Gottes ab ge - schirmt. In 2. Mose 25 finden wir eine Beschreibung vom Thron Gottes. Diesen Thron haben zwei Cherubim mit ihren Flügeln bedeckt: „Und die Cherubim sollen ihre Flügel nach oben ausbreiten, dass sie mit ihren Flügeln den Gnadenthron bedecken und eines jeden Antlitz gegen das des andern stehe; und ihr Antlitz soll zum Gnadenthron gerichtet sein“ (2. Mose 25,20).

Einer dieser beiden Cherubim wurde zu Satan. Dieser Cherub wohnte in der Gegenwart Gottes „auf dem heiligen Berg“ (Hesekiel 28,14). Aus dieser Beschreibung ergibt sich zwingend die Schlussfolgerung, dass Gott den Satan ursprünglich nicht als Advokat des Bösen geschaffen hatte. Im Gegenteil: Wie die übrige Schöpfung Gottes war auch Satan bei seiner Erschaffung als Cherub ein Spiegelbild der Vollkommenheit.

Wir erfahren sogar, dass dieses Wesen offensichtlich eine Zeit lang ohne Sünde lebte, bevor es einen anderen Weg einschlug: „Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde“ (Hesekiel 28,15). Satan hatte ein eigenes Handelssystem, das ihn zur Sünde verleitete: „Durch deinen großen Handel wurdest du voll Frevels und hast dich versündigt“ (Vers 16).

Wie wurde aus einem Wesen, das ursprünglich vollkommen war, der Widersacher Gottes? Die sündhafte innere Haltung kam von ihm selbst. Der Zusammenhang in Hesekiel 28, in Verbindung mit anderen Aussagen der Bibel, zeigt uns, dass dieser Cherub überheblich und so zu Satan wurde. Überheblichkeit kann auch uns Menschen zum Verhängnis werden. Deshalb sollen die Vorsteher der Gemeinde Männer sein, die bereits eine gewisse geistliche Reife erlangt haben: „Er soll kein Neugetaufter sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle“ (1. Timotheus 3,6).

Satan, der zunächst ohne Sünde war, wurde aufgrund seiner Schönheit stolz, die er allein nur Gott zu verdanken hatte: „Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt“ (Hesekiel 28,17). Satan war das allererste Fallbeispiel des Prinzips „Hochmut kommt vor dem Fall“.

Gott schuf also keinen Teufel, sondern einen einflussreichen Engel, einen Cherub, der sogar am Thron Gottes gedient hatte. Dieser Cherub ließ sich jedoch von seiner eigenen Schönheit zu eitlen Gedanken hinreißen. Satan war sich seiner Schönheit bewusst. Daraus leitet sich ab, dass Gott ihn mit einem Selbst - bewusstsein geschaffen hatte. Darüber hinaus muss Satan auch ein Urteilsver mögen gehabt haben, mit dessen Hilfe er, aus freiem Willen heraus, Entschei- dungen treffen konnte – zum Guten oder zum Bösen.

Der Ursprung der Sünde fing mit der Missetat Satans an, die das Resultat seiner eigenen Entscheidung war. Die symbolische Sprache in der Offen - barung impliziert, dass ein Drittel der Engel die Denkweise Satans übernahm (Offenbarung 12,3-4). Folglich hatten auch sie Entscheidungsfreiheit, die sie missbrauchten, als sie Satans Weg der Überheblichkeit wählten. Zusammen mit ihrem Anführer sind sie willens, vor der Wiederkehr Jesu gegen Gottes Herrschaft zu kämpfen: „Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel“ (Offen barung 12,7-8).

Satans Versuch, sich des göttlichen Throns zu bemächtigen

Satans endzeitliche Rebellion gegen Gott ist nicht sein erster Versuch, Gott von seinem Thron zu stürzen. Der Prophet Jesaja beschreibt einen Aufstand des Teufels, der mit den bereits beschriebenen Umständen in Hesekiel 28 im Zusammenhang steht. In Jesaja 14, Vers 4 geht es um den „König von Babel“.

Zur Zeit Jesajas wuchs der Stadtstaat Babylon zur einflussreichen Regionalmacht heran. Dessen König war ein Kriegshetzer, dem die Ausdehnung seines Reiches durch Gewalt gelang. Er eroberte seine Nachbarvölker, plünderte sie aus und versklavte sie. Die Prophezeiung in Jesaja 14 hat auch einen Bezug zu einem endzeitlichen Despoten, der über ein Reich mit überregionaler Macht herrschen wird. In Offenbarung 17 und 18 wird dieses endzeitliche Reich „Babylon, die Große“ genannt.

Die Vorgehensweise des Königs von Babel war satanisch: Reichtum und Macht auf Kosten anderer zu erwerben, hauptsächlich durch Gewalt und Blutvergießen. Damit ist der König von Babel ein Sinnbild Satans und seiner Wesensmerkmale. Satan ist in der Tat die wahre Macht hinter den Herrschern dieser Welt (vgl. dazu Lukas 4,5-7; Johannes 12,31; Offenbarung 12,9 bzw. 13,2).

Jesaja 14, Verse 12-14 behandelt nunmehr keinen menschlichen König, sondern ein Wesen mit viel größerer Macht. Viele Bibelgelehrte erkennen in dem Urtext dieses Abschnitts eine Wehklage aufgrund der hier beschriebenen Ereignisse: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! Wie wurdest du zu Boden geschlagen, der du alle Völker niederschlugst! Du aber gedachtest in deinem Herzen: Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes [Engel] erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten [Gott selbst].“

Die Sünden des Stolzes und der Eitelkeit verleiteten Satan zur offenen Rebellion gegen Gott. Dieses mächtige Geistwesen forderte Gott über die Herrschaft des ganzen Universums heraus! Aus diesem unglaublich schönen, überaus talentierten Cherub wurde ein verabscheuungswürdiger Rebell. Mit den immensen Kräften, die Gott ihm bei seiner Erschaffung verliehen hatte, versucht Satan nun, Gottes Plan zu vereiteln. Seine Rebellion gegen Gott verwandelte ihn in Satan den Teufel.

Freilich scheiterte Satans Putschversuch. Dabei sah Jesus, das Wort (Johannes 1,1-3), „den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz“ (Lukas 10,18). Gott ist allmächtig und kann nicht von seinem Thron gestürzt werden. Zwei Drittel der Engel blieben Gott treu. Wie bereits erwähnt, war es dieser Aufstand Satans, der zu den in 1. Mose 1, Vers 2 beschriebenen chaotischen Zuständen führte.

Satan und seine Dämonen

Die Bibel bezeichnet Satan und die anderen rebellischen Engel als böse bzw. unreine Geister und Dämonen. Sie sind gefallene Engel, die ihre Aufgabe als „dienstbare Geister“ für die Menschen abgelehnt haben (Hebräer 1,13-14). Voller Hass und Bitterkeit widersetzen sie sich Gott und seinem großen Plan für die Errettung der Menschen. Die Bibel zeigt, dass sie die Menschen nicht nur beeinflussen, sondern auch von ihnen Besitz ergreifen können, wobei sie ihre Handlungen direkt lenken. Solch dämonische Besessenheit kann zu gewalt samem und selbstzerstörerischem Verhalten führen (Matthäus 8,28; 17,14-18; Apostelgeschichte 19,14-16; Lukas 8,27-33).

Gottes Berufene sollen hinsichtlich der Möglichkeit einer solchen dämonischen Beeinflussung nicht ängstlich sein. Es gibt zwar viele böse Geister, doch sie sind den treuen Engeln Gottes zahlen- und kräftemäßig unterlegen. Gottes treue Engel sind „dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen“ (Hebräer 1,14). Christen können zuversichtlich sein, denn von Gott haben sie den heiligen Geist empfangen, „den Geist . . . der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1,7).

Man verteidigt sich am besten gegen dämonischen Einfluss, indem man sich ständig an Gott und seinem Lebensweg orientiert. Gottes Berufene sollen sich „vom Geist erfüllen“ lassen (Epheser 5,18). Dadurch werden sie in die Lage versetzt, Satan zu widerstehen und ihn zur Flucht zu zwingen (Jakobus 4,7). Außerdem sind Gottes wahre Diener befugt, Dämonen auszutreiben (Matthäus 10,1. 8; Markus 6,13; 16,17). Schließlich ist Gott die höchste Macht im ganzen Universum.