Verkündigung des Wortes, Vorbereitung eines Volkes

Die Söhne Abrahams

Sie sind hier

Die Söhne Abrahams

Alle drei führen ihre geistlichen Wurzeln auf dieselbe Person zurück: auf Abraham. Die überragenden Gestalten hinter diesen drei Religionen – Mose, Jesus Christus und Mohammed – sind direkte Nachkommen von Abraham.

Abraham, in der mesopotamischen Stadt Ur geboren, war der Sohn von Terach, einem Nach kommen von Sem, dem Sohn Noahs. Obwohl vor fast 4000 Jahren geboren, übt Abraham bis auf die heutige Zeit Einfluss auf den Nahen Osten aus. Als Nachkommen von Noahs Sohn Sem waren Abraham und seine Nachfahren Semiten. In 1. Mose 11 stellen wir fest, dass Sems Urenkel Eber (Verse 14-16) ein direkter Vorfahre von Abraham war. Der Be - griff Hebräer geht auf Eber zurück.

Als „Vater der Gläubigen“ (siehe Römer 4,11) folgte Abraham Gottes Anweisung, seine Heimatstadt Ur zu verlassen und nach Haran zu ziehen (Apostelgeschichte 7,2-3). Sowohl Ur als auch Haran waren Städte in Mesopotamien, ein Name, der sich auf die Region zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris bezieht. Haran war eine natürliche Zwischenstation für Abraham und Sara auf ihrem Weg in ein neues Land. Ihre Auswanderung sollte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Region darstellen.

Wir können über diesen Umzug in 1. Mose 12 im Zusammenhang mit dem Tod von Abrahams Vater Terach lesen: „Und der HERR sprach zu Abram [sein ursprünglicher Name, der später auf Abraham geändert wurde]: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein . . . Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte“ (Verse 1-4). Hebräer 11, Vers 8 fügt hinzu: „Er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.“

Gottes Ziel war es, Abraham und seine Nachkommen im Land Kanaan (das später das Gelobte Land und oft auch das Heilige Land genannt wurde) anzusiedeln. Im Schnittpunkt von Asien, Afrika und Europa gelegen, war dieses Gebiet ideal für Gottes auserwähltes Volk, das der gesamten Welt als Beispiel dienen sollte (5. Mose 4,5-8).

Nach Abrahams Ankunft im neuen Land versprach ihm Gott, dass er das Land seinen Nachkommen geben würde (1. Mose 12,7): „Sieh von der Stätte aus, wo du wohnst, nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben für alle Zeit“ (1. Mose 13,14-15).

Gott fügte hinzu: „Ich will deine Nachkommen machen wie den Staub der Erde, so dass, wenn jemand den Staub der Erde zählen kann, auch deine Nachkommen gezählt werden“ (Vers 16; Elberfelder Bibel). Gott passte den Namen Abrams, der „hoher (erhabener) Vater“ bedeutete, seiner Verheißung an und nannte ihn nun Abraham – „Vater einer Vielzahl“ (1. Mose 17,5). Gott sagte dazu: „Ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen, und auch Könige sollen von dir kommen“ (Vers 6).

Zu jener Zeit müssen diese Prophezeiungen Abraham ironisch vor gekommen sein, denn seine Frau Sara war unfruchtbar. Ihre Unfruchtbarkeit sollte jedoch für die Entwicklung des Nahen Ostens sehr bedeutsam werden.

Gott versprach Abraham in 1. Mose 15, Vers 4, dass er einen Erben haben würde, „der von deinem Leibe kommen wird“. Aufgrund ihrer eigenen Unfruchtbarkeit bedrängte Sara Abraham ungeduldig, ein Kind durch ihre ägyptische Magd Hagar zu zeugen. Dies geschah, „nachdem sie zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatten“ (1. Mose 16,1-3).

Abrahams erster Sohn wird geboren

„Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering“ (1. Mose 16,4). Die Beziehung zwischen Sara und Hagar verschlechterte sich zunehmend und Hagar floh. Hagar wurde aber eine göttliche Botschaft übermittelt, in der sie zur Rückkehr aufgefordert wurde.

Ihr wurde versichert, dass ihr Sohn viele Nachkommen haben würde – aber Nachkommen mit bestimmten Charaktereigenschaften, die im Laufe der Geschichte für alle sichtbar zutage treten würden. „Ich will deine Nachkommen so sehr mehren, dass man sie nicht zählen kann vor Menge . . . Siehe, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Ismael [,Gott hört‘] geben, denn der HERR hat auf dein Elend gehört. Und er, er wird ein Mensch wie ein Wildesel sein; seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn, und allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht“ (Verse 10-12; Elberfelder Bibel).

Diese Beschreibung von Hagars Nachkommen ist bedeutsam, weil viele der heutigen Araber Ismaeliten sind – Nachkommen desselben Ismael, dessen Vater Abraham gewesen ist. Mohammed, der Gründer und Prophet des Islam, war ein Nachkomme Kedars, einer der zwölf Söhne Ismaels (Ismail auf Arabisch). Heute sind 22 Nationen im Nahen Osten und Nordafrika arabisch, und die meisten ihrer Bürger bekennen sich zum Islam.

Schon bevor Ismaels Nachkommen ihre heutige Heimat besiedelten, wurde der Begriff Araber als Bezeichnung für Bewohner der arabischen Halbinsel benutzt. Durch die Verbreitung des Islam beherrschen die arabischen Völker mit der arabischen Sprache heute ein gewaltig ausgedehntes Gebiet.

Die göttlichen prophetischen Worte an Hagar sind heute noch von großer Bedeutung. Die Prophezeiung, dass Ismael „ein Mensch wie ein Wildesel“ sein würde, ist nicht als Beleidigung gedacht. Der Wildesel war der Adlige unter den wilden Tieren der Wüste, die bevorzugte Beute von Jägern. Die Prophezeiung bezieht sich auf die Art und Weise, wie die Nachkommen Ismaels die Lebensweise des Wildesels nachahmen würden – durch eine freie und edle Existenz in der Wüste.

„Seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn“ bezieht sich gleichermaßen auf seinen unabhängigen Lebensstil. Ismaels Nachkommen haben sich stets gegen Fremdherrschaft gewehrt. Der Hinweis „allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht“ deutet die Feindseligkeit an, die historisch unter den Arabern herrschte, aber auch zwischen den Arabern und den anderen Söhnen Abrahams.

Abrahams zweiter Sohn

Vierzehn Jahre nach der Geburt Ismaels segnete Gott Abraham mit einem weiteren Sohn, diesmal von seiner Frau Sara. Er gebot ihnen, ihren Sohn Isaak zu nennen (was „Gelächter“ bedeutet, wegen der ungläubigen Reaktion, die sie hatten, als sie hörten, dass sie in ihrem fortgeschrittenen Alter noch einen Sohn haben würden, aber auch wegen der Freude, die er seinen Eltern spä- ter bereiten sollte, siehe 1. Mose 17,17. 19; 18,10-15; 21,5-6). Isaak zeugte dann Jakob, der auch Israel genannt wurde, den Vater der Israeliten. Ismaels und Isaaks männliche Nachfahren sind deshalb Cousins.

„Und das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt. Und Abraham machte ein großes Mahl am Tage, da Isaak entwöhnt wurde. Und Sara sah den Sohn Hagars, der Ägypterin, den sie Abraham geboren hatte, wie er Mutwillen trieb. Da sprach sie zu Abraham: Treibe diese Magd aus mit ihrem Sohn; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak“ (1. Mose 21,8-10).

Das erregte Abrahams Missfallen, weil er Ismael liebgewonnen hatte. „Gott sprach zu ihm . . . Alles, was Sara dir gesagt hat, dem gehorche; denn nur nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden“ (Vers 12). Gott versicherte Abraham weiterhin: „Aber auch den Sohn der Magd [Ismael] will ich zu einem Volk machen, weil er dein Sohn ist . . . Und Gott war mit dem Knaben. Der wuchs heran und wohnte in der Wüste“ (Vers 13 bzw. 20).

Man kann nicht sagen, dass Ismael Isaak hasste. Aber nach 14 Jahren als Einzelkind veränderte Isaaks Geburt die Beziehung von Ismael zu seinem Vater Abraham grundlegend. Später verspürte Ismael Neid und Rivalität gegenüber seinem Halbbruder. Diese Ge fühle haben sich über die Jahrhunderte in seinen Nachkommen erhalten und beeinflussen die heutige Politik im Nahen Osten.

Die beiden Söhne Isaaks

Weitere Familienprobleme bahnten sich an: Isaak hatte durch seine Frau Rebekka Zwillingssöhne, Jakob und Esau. „Und die Kinder stießen sich miteinander in ihrem Leib“, noch bevor sie geboren wurden (1. Mose 25,22). Gott erklärte Rebekka: „Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen“ (Vers 23). Beide Brüder sollten große Nationen hervorbringen, als ein Segen Gottes für Abrahams Enkelsöhne.

Normalerweise erhält der Erstgeborene das Erstgeburtsrecht, hier aber sollte es anders kommen. Die Bibel berichtet, dass Esau sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht an Jakob verkaufte (Verse 29-34) und damit zeigte, wie wenig es ihm bedeutete. Einige Zeit später täuschte Jakob seinen Vater und veranlasste ihn, ihm den Erstgeburtssegen zu geben (Kapitel 27). Die Folge: „Und Esau war Jakob gram um des Segens willen, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte“ (Vers 41).

Die Konsequenzen dieses Ereignisses be - treffen uns heute noch. Die Nachkommen Esaus (der auch Edom genannt wird, vgl. 1. Mose 25,30) waren oft durch Heirat mit den Nachkommen Ismaels verbunden, und ihre Verbitterung und Feindseligkeit gegenüber Jakobs Nachkommen wuchs im Laufe der Jahrhunderte weiter.

Esaus Enkel Amalek (1. Mose 36,12) war der Vorfahre der Amalekiter, die zu erbitterten Feinden der Nachkommen Jakobs wurden, der zwölf Stämme Israels. Eine Prophezeiung über Amalek sagt endlose kriegerische Auseinandersetzungen zwischen ihnen „von Kind zu Kindeskind“ voraus (2. Mose 17,16). Manche Gelehrte glauben, dass die heutigen Palästinenser zu einem Großteil Nachkommen der Amalekiter sind.

Wir wollen uns aber nun der erstaunlichen Geschichte der Stämme Israels zuwenden – ihrem prophezeiten Aufstieg und Niedergang.