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Kindererziehung in einer Zeit des Materialismus

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Kindererziehung in einer Zeit des Materialismus

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Frank und Claudia arbeiten beide, um ihrem fünfjährigen Sohn Jan und ihrer zweijährigen Tochter Julia ein sorgenfreies und gutes Leben ermöglichen zu können. Für ihre Kinder tun Frank und Claudia alles in ihrer Kraft stehende, um ihnen die bestmögliche Grundlage für das Heranreifen zu Erwachsenen zu schaffen. Trotz ihrer beachtlichen Anstrengungen stehen sie jedoch oft dem Erziehungsalltag hilflos gegenüber.

Ob es sich um Ehepaare wie Frank und Claudia oder um alleinerziehende Mütter oder Väter handelt, die Aussage einer mir bekannten Mutter dürfte für die meisten gelten: „Wir sind derart damit beschäftigt, die Kinder zu den verschiedensten Aktivitäten hin und her zu transportieren, daß wir kaum noch Zeit finden, uns einfach hinzusetzen und uns miteinander zu unterhalten.“

Wenn Zeit und Geld knapp werden

Steigende Lebenshaltungskosten und höhere Ansprüche der Eltern an das Leben bedeuten, daß auf Kosten der Kindererziehung immer mehr Zeit dem Geldverdienen gewidmet wird. Laut mehrerer Untersuchungen verbrachten z. B. amerikanische Eltern der neunziger Jahre deswegen um die vierzig Prozent weniger Zeit mit ihren Kindern als ihre eigenen Eltern es in den sechziger und siebziger Jahren mit ihnen taten. Ähnliche Trends zeichnen sich auch in Deutschland ab.

„Oft sind die Eltern derart überarbeitet und gestreßt, daß sie keinerlei Kraft mehr für ihre Kinder aufbringen können, wenn sie zu ihnen nach Hause kommen“, erklärt Frank Vitro, Professor für sittliche Erziehung an der Woman’s University in Texas.

Auch zu den Verwandten haben die Kinder von heute weniger Kontakt, als der Generation ihrer Eltern vergönnt war. „Das Gemeinschaftsgefühl von früher existiert nicht mehr“, stellt Marti Erickson, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Familie an der Universität Minnesota, fest. „Zum Teil liegt das daran, daß … sich zunehmend die Mitglieder derselben Familie in alle Winde zerstreuen. Die Großeltern haben dann weniger Einfluß als früher auf die Kinder, da alle räumlich weit auseinander leben und sich selten sehen.“

Viele Menschen leben in Metropolen, wo sie noch nicht einmal die Namen ihrer unmittelbaren Nachbarn kennen. Diese traurige Tatsache wird jedes Jahr durch Pressemeldungen bestätigt, nach denen Verstorbene monatelang in der eigenen Wohnung „unentdeckt“ geblieben sind.

„Als ich Kind war“, erzählte mir ein 72jähriger Mann, „war die ganze Nachbarschaft wie eine große Familie. Wenn ich etwas angestellt habe und dabei von einem Nachbarn beobachtet wurde, konnte ich damit rechnen, daß er mich nicht nur gehörig zurechtweisen, sondern daß er mich auch zu meinen Eltern bringen und ihnen erzählen würde, was ich verbrochen hatte. Wenn ich das heute mit den Nachbarskindern machen würde, würden mir ihre Eltern wahrscheinlich vorhalten, daß ich mich gefälligst um meine eigenen Angelegenheiten kümmern solle.“

Materialismus über alles

Der Materialismus spielt eine immer größere Rolle in unserer Welt. „Meine Kinder bestehen darauf, daß sie unbedingt die aktuellsten CDs, Videos, Markenkleidung, ein eigenes Handy und sogar einen eigenen Computer brauchen“, erklärt ein verzweifelter Vater. „Wenn ich ihnen aber entgegenhalte, das sei doch alles nicht nötig, werde ich von meinem eigenen Verhalten überführt. In unserer Garage stehen nämlich Kisten voll unnützer Geräte und Spielereien, die wir vom letzten Umzug mitgeschleppt, aber noch nie ausgepackt haben.“

„Computer, Stereoanlage, Handy und andere Dinge, die es vor einer Generation nicht gegeben hat, können für Kinder schon nützlich sein“, räumt Vitro ein. „Aber wenn die Eltern nicht aufpassen, wird den Kindern die Botschaft vermittelt, materielle Dinge seien das Wichtigste im Leben. Dann erleben wir Kinder, deren einzige Sorge das Taschengeld ist, das sie am Ende der Woche bekommen. Was sie während der Woche lernen oder an guten Taten beitragen könnten, interessiert sie nicht. Unsere Gesellschaft legt keinen Wert mehr auf die innere Befriedigung, die einem gutes Tun verschafft, sondern geht mehr oder weniger in einer Befriedigung des Ich durch materielle Werte auf.“

Zu allem Überfluß verbringen viele Kinder jede Woche mehrere Stunden vor dem Fernseher und saugen dabei Wertvorstellungen auf, die ihren Eltern bestimmt nicht immer gefallen.

„Die Welt schrumpft“, sagt Ned Gaylin, Professor für Familienkunde an der Universität Maryland, „und die Medien machen die Kinder mit Gewalt vertraut. Selbst wenn die Kinder die Gewalt nicht hautnah erleben – obwohl das häufig genug vorkommt –, erleben sie sie im Fernsehen.“

Es wird geschätzt, daß jedes Kind in Deutschland bis zu seinem 14. Lebensjahr durchschnittlich rund 15 000 Gewaltakte im Fernsehen gesehen hat.

Besteht denn keine Hoffnung für unsere Kinder? Doch. Kindererziehung war nie eine leichte Sache, auch nicht zu den besten Zeiten. Aber die Aufgabe ist zu bewältigen.

Nachstehend bringen wir einige Vorschläge, die zur Überwindung der heutigen Hindernisse bei der Kindererziehung und zu wohlgeratenen Kindern beitragen können.

Die Lage des andern verstehen

Schärfen Sie Ihren Kindern gute Werte durch häufige Wiederholung und Ermahnung ein. Erklären Sie ohne Umschweife den Unterschied zwischen Richtig und Falsch, und fordern Sie Ihren Nachwuchs mit Nachdruck auf, sich richtig zu verhalten. Wenn Ihre Kinder mit Haltungen und einer Sprache kommen, die Sie nicht akzeptieren können, machen Sie ihnen mit vollem Ernst klar, wie Sie dazu stehen.

Einer der wichtigsten moralischen Werte, die Sie Ihren Kindern beibringen sollten, ist die Anteilnahme am Wohl anderer.

„Von Anfang an sollte man ein Kind, das ein anderes schlecht behandelt, daran erinnern, ob es auch so behandelt werden möchte. Man sollte es dazu bringen, sich in die Lage des anderen Kindes zu versetzen“, erklärt Michael Schulman, Verfasser des Buches Bringing up a moral child [„Wie man ein moralisches Kind erzieht“]. „Sorgen Sie dafür, daß Ihre Kinder andere Kinder gut behandeln, und zwar nicht nur zur Vermeidung einer Strafe, sondern auch um gute Beziehungen zu anderen Kindern aufzubauen.“

Weitere Werte, die man den Kindern beibringen sollte, sind Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Großzügigkeit und Ausdauer. Erklären und besprechen Sie diese Eigenschaften mit Begeisterung. Machen Sie Ihren Kindern klar, warum Ihnen diese Werte sehr wichtig sind. Wenn Sie gutes und schlechtes Verhalten miteinander vergleichen, geben Sie konkrete Gründe für Ihren Standpunkt an. Nehmen wir an, Sie wollen Ihr Kind vom Mogeln abhalten. Anstatt nur zu sagen: „Du darfst nicht mogeln“, sollten Sie dieses Verbot begründen: „Wenn du beim Spielen mogelst, bist du unfair den anderen Spielern gegenüber.“

Lassen Sie sich Geschichten einfallen, die zur Konkretisierung moralischer Prinzipien geeignet sind. Sie können Zeitungs- und Zeitschriftenartikel ausschneiden, in denen von Menschen berichtet wird, die Vorbildliches getan oder schwierige Hindernisse überwunden haben. Erzählen Sie auch Geschichten aus Ihrer eigenen Kindheit und aus dem Leben von Verwandten oder anderen Menschen, die sich als Vorbilder eignen.

Jeden Tag Lehren ziehen

Nehmen Sie die Erlebnisse Ihres Kindes zum Anlaß für Diskussionen über moralische Prinzipien. Wenn Ihre Tochter von der Schule nach Hause kommt und erzählt, daß ein Mitschüler bei Prüfungen regelmäßig schummelt, können Sie ihr Fragen stellen, die zum Nachdenken über gutes und schlechtes Verhalten anregen. Sie können sie zur Erkenntnis bringen, daß Mogeln nicht viel anders ist als Lügen oder Stehlen.

Aktuelle Vorfälle aus dem Tagesgeschehen – wie Politikerbestechungen, Streiks und internationale Konflikte –, eignen sich ebenfalls zum Gesprächsstoff für Diskussionen über Moral.

Der Schlüssel zu guten Gesprächen mit Ihren Kindern ist: Zuhören. „Leider kommt es häufig vor, daß die Eltern den Kindern gleich ins Wort fallen und mit der Zurechtweisung beginnen, noch bevor die Kinder ihren Standpunkt dargelegt haben“, sagt Susan Mackey, Leiterin der Aufbaustudiengänge am Familieninstitut der Northwestern University in USA. „Aber wenn man das häufig macht, werden die Kinder beginnen, die Eltern zu ignorieren.“

Denken Sie über das nach, was Ihr Kind sagt, und bemühen Sie sich, es richtig zu verstehen. Es kann dabei hilfreich sein, seine Aussagen mit eigenen Worten wiederzugeben, damit das Kind merkt, daß es verstanden wurde oder aber die Möglichkeit zur Verbesserung hat.

„Wenn es irgendwie geht, versuchen Sie wenigstens teilweise seinen Aussagen zuzustimmen“, meint Mackey. „Auch wenn manches für Sie unannehmbar ist, werden Sie hoffentlich einzelne Punkte finden können, die sich zur gemeinsamen Basis eignen. Dadurch kann man Brücken zum Kind bauen. Denn jeder schätzt es, wenn er verstanden wird und Bestätigung für seine Standpunkte erfährt.“

Taten sind wichtiger als Worte

Erst durch Ihr Beispiel zeigen Sie Ihrem Kind, was Ihre Worte wert sind, denn es wird eher Ihrem Verhalten als Ihren Worten folgen. „Die Kinder lernen hauptsächlich durch Nachahmung ihrer Eltern“, sagt Vitro. „Daher ist es wichtig, sich so zu verhalten, wie man es von seinen Kindern erwartet und erhofft.“

Ein Kind kann keine Ehrlichkeit lernen, wenn seine Eltern mit ihm nicht ehrlich umgehen. Es wird nicht lernen, daß es wichtig ist, Wort zu halten, wenn der Vater zum Beispiel nicht das Versprechen einlöst, am Nachmittag mit ihm schwimmen zu gehen. Es lernt, freundlich und gütig zu sein, wenn es sieht, wie die Mutter einem kranken Nachbarn eine Mahlzeit ins Haus bringt.

Unser Verhalten im Alltag, zum Beispiel beim Einkauf im Supermarkt, zeigt unseren Kindern, wie man sich in der Öffentlichkeit und im Umgang mit anderen Menschen benehmen soll. Wenn man der Kassiererin das zuviel ausgezahlte Wechselgeld zurückgibt, lebt man den Kindern Ehrlichkeit vor. Um die Wirkung unseres Vorbilds noch zu verstärken, können wir unser Verhalten so erklären: „Wenn wir der Kassiererin das Geld nicht zurückgegeben hätten, hätte es in der Kasse gefehlt, und sie hätte es aus ihrer eigenen Tasche ersetzen müssen.“

Unsere Kinder lernen gute Werte, wenn wir uns im Verkehr an das Tempolimit halten und bei Staus geduldig bleiben. Sie lernen durch unser Verhalten bei gesellschaftlichen Anlässen, in Wartezimmern und bei Sportveranstaltungen.

Die Kehrseite der Medaille ist aber leider, daß unsere Kinder auch unser schlechtes Verhalten nachahmen. „Kinder merken sehr schnell, wenn unsere Worte nicht mit unseren Taten im Einklang sind“, erklärt Vitro. Wenn wir sie davor warnen, über ihre Lehrer herzuziehen, werden wir kein Gehör finden, wenn wir schlecht über unseren Vorgesetzten reden.

Es wäre sicherlich unrealistisch zu erwarten, daß wir ein perfektes Vorbild liefern können. Wenn wir aber Fehler machen, sollten wir es vor den Kindern zugeben und eingestehen, was wir anders hätten machen sollen.

Traditionen halten zusammen

Ein Kind mit festen Wurzeln wird eher die Werte seiner Familie übernehmen. Eine Möglichkeit, feste Wurzeln zu schaffen, besteht in der Pflege von Familientraditionen. „Durch Riten sagen sich die Mitglieder einer Familie, daß sie aufeinander zählen können, daß ihnen ihre Verbundenheit wichtig ist“, schreibt die Autorin Isabelle Fox. „Riten und Traditionen sind das Bindemittel einer Familie.“

Fast jede Aktivität kann zu einer Tradition werden, wenn man sich ernsthaft darum bemüht. Ein allabendlicher Gedankenaustausch mit einem Gute-Nacht-Lied oder ein Abendgebet, kurz bevor das Kind sich schlafen legt, läßt sich zu einem Ritus entwickeln, mit dem jeder Tag für das Kind zum Abschluß gebracht wird. Abendspaziergänge, ein jährlicher Campingurlaub im Sommer, der Bau eines Schneemanns nach dem ersten Schneefall des Winters, Pfannkuchenessen jeden Samstag – das alles kann zu einer beliebten Familiengewohnheit werden.

Eines der wichtigsten Rituale sind gemeinsame Mahlzeiten. „Eine Familie braucht eine regelmäßige Möglichkeit, miteinander zu sprechen. Ein gemeinsames Abendessen eignet sich besonders gut dafür, weil es eine hervorragende Gelegenheit bietet, nach einem Tag voller getrennter Aktivitäten wieder zusammenzukommen“, erklärt Mackey. „Wenn aber jeder sein Essen aus der Küche holt und es allein vor einem Fernseher oder Computer verzehrt, kommt der Gedankenaustausch nicht zustande und die Familie beginnt sich auseinanderzuleben.“

Wenn es wegen unterschiedlicher Verpflichtungen nicht möglich ist, zum Abendessen zusammenzukommen, sollte man es mit dem Mittagessen, mit einem Imbiß nach der Schule, mit einem Nachtisch spät am Abend oder mit einem Brunch am Wochenende versuchen.

Aufbauende Freundschaften

Versuchen Sie, Ihre Kinder mit den Kindern von Leuten zusammenzubringen, die nach den gleichen Werten leben. „Sie können Ihren Kindern zwar nicht vorschreiben, mit wem sie eine Freundschaft schließen, vor allem nicht, wenn sie älter werden. Aber Sie können ihnen ein Umfeld schaffen, in dem die Freundschaften, die spontan entstehen, eher aufbauend sein werden“, stellt Erickson fest.

Ermuntern Sie Ihre Kinder dazu, Vereinen beizutreten, in denen sie Gleichaltrige kennenlernen können, die eine konstruktive Lebenshaltung zeigen.

Heute, wo Onkel, Tanten und Großeltern in vielen Fällen weit auseinander leben, ist es ebenfalls der Entwicklung von Kindern förderlich, wenn sie mit Erwachsenen Freundschaften schließen können, die in der Lage sind, die Rolle der Verwandten zu übernehmen.

„Kinder und Jugendliche brauchen Beziehungen auch zu anderen Erwachsenen als ihren Eltern“, meint Erickson. „Durch das viele Fernsehen bekommen die Kinder viele schlechte Vorbilder präsentiert. Sie müssen aber Erwachsene beobachten können, die nach guten Werten leben.“

Besonders Jugendliche brauchen erwachsene Freunde. „In der Jugend geschieht eine gewisse Loslösung von den Eltern, eine Art Abnabelung, und deswegen brauchen Heranwachsende die Gemeinschaft von anderen Erwachsenen, mit denen sie sich zwanglos unterhalten können“, erklärt Erickson.

Gute Vorbilder für Ihre jugendlichen Kinder können Ihre eigenen Freunde, Ihre Nachbarn oder junge Erwachsene sein, die sich noch gut erinnern, wie es in ihrer eigenen Jugend war.

Die Glotze in die Schranken weisen

Da das Fernsehen eine beruhigende, wenn nicht gar betäubende Wirkung auf Kinder hat, wird es von vielen Eltern als Ersatz für mühevolle Belehrung eingesetzt.

„Fernzusehen ist weniger fordernd als ein vernünftiges Gespräch und weitaus bequemer als eine Konfrontation. Aber manchmal ist gerade eine Konfrontation geboten“, sagt Vitro. Es ist viel einfacher, den Kindern das Fernsehen zu erlauben, als ihnen Regeln und Verbote nahezubringen und sie auf Probleme anzusprechen.

Wenn der Fernseher ständig läuft, büßen die Familienmitglieder wertvolle Gelegenheiten ein, Erfahrungen und Gedanken auszutauschen. Es lohnt sich, der Frage sorgfältig nachzugehen, welche Fernsehsendungen denn wirklich sehenswert sind. Widerstehen Sie der Versuchung, den Fernseher als Babysitter einzusetzen.

Andererseits kann gemeinsames Fernsehen mit den Eltern ein Auslöser von fruchtbaren Diskussionen sein. „Gewalt im Fernsehen richtet weniger Schaden an und kann sogar zu Lernerlebnissen führen, wenn die Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen und zeigen, daß man nicht alles gutheißen muß, was gesendet wird“, so Erickson.

Von der Zeit, die die Kinder mit Fernsehen verbringen, kann man in den meisten Familien bestimmt ein paar Stunden jede Woche für gemeinsame Tätigkeiten abzweigen, zum Beispiel für das gemeinsame Lesen eines guten Buches. Solche Lesestunden sind nicht nur dem Familienzusammenhalt förderlich, sondern regen zu guten Gesprächen an. Vermitteln Sie Ihren Kindern, daß das Lesen die Auffassungsgabe und die Ausdrucksfähigkeit stärkt und ihnen in Schule und Beruf sehr zugute kommen kann.

Der mächtigste Einfluß

Frank und Claudia, die wir am Anfang dieses Artikels erwähnten, machen gerade gute Erfahrungen mit einigen der Prinzipien, die wir in diesem Beitrag erläutert haben. So haben sie vor kurzem beschlossen, sich mehr mit ihren Kindern Jan und Julia zu beschäftigen, wogegen sie früher eher nach Wegen gesucht haben, sie aus ihrem Leben herauszuhalten. Besonders ein Abend, den sie ihren Kindern gewidmet haben, bleibt ihnen in Erinnerung.

Nachdem sie die Kinder ins Bett gebracht hatten, hörten sie, wie Jan zu seiner Schwester Julia sagte: „Das war schön. Mama und Papa sind heute zu Hause geblieben.“ Wie bezeichnend, wenn man bedenkt, daß beide zu Hause arbeiten!

Wie mächtig auch immer die Einflüsse der Medien sind, Eltern sind die ersten Lehrer ihrer Kinder und können starken Einfluß auf sie nehmen. Mit Hilfe der in diesem Beitrag enthaltenen Tips können Sie verhindern, daß man Ihnen das Heft der Kindererziehung aus der Hand nimmt.

Wie man Zeit für Kinder findet

Es ist eine Tatsache: Je weniger Zeit Eltern und Kinder miteinander verbringen und je weniger sie Gedankenaustausch und gemeinsame Aktivitäten pflegen, desto mehr sind die Kinder dem Einfluß der Unterhaltungsmedien, ihrer Altersgenossen und anderer gesellschaftlicher Kräfte ausgeliefert.

„Ob sich Kinder die Werte ihrer Eltern zu eigen machen, hängt von der Intensität der gemeinsamen Beziehungen und davon ab, ob die Eltern da sind und ihre Kinder immer wieder aufbauen“, weiß Isabelle Fox, Verfasserin des Buches Being There: The Benefits of a Stay-at-Home Parent [„Dasein: Die Vorteile des nichtberufstätigen Elternseins“], zu berichten. Ihre Kinder müssen praktisch erfahren, daß Sie sie lieben und daß Sie sehr gerne mit ihnen zusammen sind.

„Wenn man Kindern das Gefühl vermitteln will, daß man sie sehr schätzt, muß man sich häufig mit ihnen beschäftigen“, stellt Fox fest. „Wenn Ihre Kinder wissen, daß sie Ihnen viel bedeuten, werden sie sich mit Ihnen identifizieren und versuchen, Ihren Erwartungen und Hoffnungen zu entsprechen. Von jemandem aber, zu dem sie keinerlei Beziehung haben, werden sie nichts lernen.“

Wenn Vater und Mutter berufstätig sind, ist es freilich nicht immer einfach, im vollen Terminkalender gemeinsame Lücken zu finden. Man kann sich aber dadurch helfen, daß man Zeit für gemeinsame Aktivitäten reserviert. Manche Familien haben gute Erfahrungen damit gemacht, jede Woche eine bestimmte Zeit für Familienaktivitäten fest vorzumerken. Sie könnten zum Beispiel einen Abend in der Woche als Familienabend bezeichnen. Erklären Sie Ihren Kindern dann, daß diese Zeit für Familienaktivitäten und gemeinsame Gespräche reserviert ist. Man könnte zum Beispiel einmal miteinander Minigolf oder Badminton spielen und ein anderes Mal zu Hause bleiben und sich bei Karten- und Brettspielen unterhalten.

Nehmen Sie Ihre jetzigen Familienaktivitäten unter die Lupe. Ein Einkaufsbummel durch die Kaufhäuser ist selten aufbauend für eine Familie und hebt eher materialistische Werte hervor. Weitaus besser wären ein Museumsbesuch, eine Waldwanderung oder ein Besuch in einem Tierpark oder einem botanischen Garten.

Gemeinsame Aktivitäten können auch Hausarbeiten sein. Anstatt daß einer die Arbeit alleine erledigt, kann man mal eine Aufgabe gemeinsam angehen. Die ganze Familie kann zum Beispiel mithelfen, die Wohnung aufzuräumen, den Garten vom Unkraut zu befreien oder Schäden am Haus zu reparieren. Davon hat man einen dreifachen Nutzen: Die Kinder verbringen Zeit mit ihren Eltern, sie erwerben neue Fähigkeiten und sie sehen das Vorbild der Eltern beim Arbeiten.