Verkündigung des Wortes, Vorbereitung eines Volkes

Die gefährlichste Krankheit der Welt

Sie sind hier

Die gefährlichste Krankheit der Welt

Es handelt sich um eine Seuche unvergleichlichen Ausmaßes, die mehr Erwachsene dahinrafft als alle anderen Infektionskrankheiten zusammen. Es wird geschätzt, dass die Hälfte aller Flüchtlinge daran leidet. Sie bringt mehr Aidskranke um als jede andere Störung und macht mehr Kinder zu Waisen als jede andere ansteckende Krankheit. Es geht nicht um Aids, Hepatitis oder Malaria, sondern um eine altbekannte Geißel, die beinahe vor einer Generation besiegt worden wäre: Tuberkulose.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Tb-Bazillus Myobakterium tuberculosis infiziert ist und dass 95 Prozent aller Tuberkulosefälle in Entwicklungsländern vorkommen. Jedes Jahr sind acht Millionen neue Tb-Erkrankungen und über zwei Millionen Tb-Todesfälle zu verzeichnen. Bei 40 Prozent aller AidsToten ist Tuberkulose die unmittelbare Todesursache. Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, werden nach WHO-Angaben innerhalb der nächsten fünfzig Jahre bis zu 500 Millionen Menschen von Tuberkulose befallen werden.

Tuberkulose beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Entwicklungsländer. Zwar ist in den letzten Jahren die Zahl neuer Tb-Fälle in Westeuropa rückläufig, in Osteuropa hingegen verzeichnete man einen starken Anstieg an Neuinfektionen. In den USA sind zwischen zehn und fünfzehn Millionen Menschen Träger des Tb-Bakteriums. Dort kommen jährlich 22 000 neue Tb-Erkrankungen hinzu.

Gesundheitsbehörden hoffen auf die Entwicklung neuer Impfstoffe. Michael Schwanig, TuberkuloseExperte am Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt, meinte dazu: „Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Zahl von Erregerstämmen, die gegenüber den herkömmlichen Medikamenten resistent sind“ (Die Welt, 26. Oktober 2004, Seite 31). So ist der Impfstoff BCG, der seit den 1920er Jahren verwendet wird, bei Tb-Erkrankungen unter Erwachsenen weitgehend wirkungslos geworden.